BOM-Fehlerprüfung für die Bauteilbeschaffung: MPN-Abgleich, Aliase und Lebenszyklus-Triage

Eine BOM-Zeile, die gültig aussieht, sich aber nicht in eine reale MPN auflöst, ist der teuerste Beschaffungsfehler. So prüfen Sie eine BOM vor der RFQ: MPN-Abgleich und Suffix-Rauschen, Risikomatrix nach Fehlerkategorie, DNP/NC-Handhabung und Lebenszyklus-Triage von NRND bis EOL.

Der kostspieligste BOM-Fehler im Einkauf ist die Zeile, die vollkommen plausibel wirkt, sich jedoch im System des Herstellers in kein reales, bestellbares Bauteil auflösen lässt. Ein solcher Fehler übersteht den Import in das ERP-System, passiert die Angebotskalkulation unbemerkt und fällt erst dann auf, wenn das falsche Bauteil — oder schlicht gar keines — an der SMT-Bestückungslinie eintrifft. Zu diesem Zeitpunkt sind die Sourcing-Kosten bereits angefallen, und oft steht die gesamte Baugruppenfertigung still. Diese fehlerhaften Zeilen vor der Auslösung der Einkaufsbestellung (PO) abzufangen, ist die zentrale Aufgabe einer professionellen BOM-Prüfung.

Eine Stückliste (BOM) muss drei Prüfgatter erfolgreich durchlaufen, bevor sie als serienreif gilt: Jede Zeile muss sich in eine reale Herstellerteilenummer (MPN) beim aktuellen Hersteller auflösen, die Gesamteinstandskosten (Landed Cost) müssen konsistent aggregiert sein, und der Fertigungsdatensatz muss frei von Bestückungskonflikten sein. Die Kostenaggregation und die Vermeidung von Bestückungsfehlern behandeln wir ausführlich in unseren Leitfäden Leiterplattenbestückung BOM-Kosten sowie Best Practices für Bestückungs-Stücklisten. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf das erste Gatter — die entscheidende Weichenstellung, ob eine BOM überhaupt reif für eine verlässliche Preisanfrage (RFQ) ist.

Die Einkaufsentscheidung: Ist diese Stückliste reif für die Freigabe?

Eine BOM ist beschaffungsreif, sobald sich jede einzelne Zeile in eine eindeutige, lieferbare Herstellerteilenummer (MPN) des aktuellen Originalherstellers (OCM) auflöst — mit verifiziertem Lebenszyklusstatus, eindeutigem Bestückungsstatus und einer vorab qualifizierten Zweitquelle (Second Source) für jedes kritische Single-Source-Bauteil. Fehlt auch nur eines dieser Kriterien, stellt die Zeile ein Beschaffungsrisiko dar. Die BOM-Prüfung stuft dieses Risiko ein, bevor es zu einer verbindlichen Bestellung wird.

Die Entscheidungsfolge im Einkauf gliedert sich in fünf Schritte:

  1. Auflösen: Entspricht diese MPN einem realen, aktuell beim Hersteller bestellbaren Bauteil?
  2. Kennzeichnen: Welche Zeilen sind nicht auflösbar, mehrdeutig oder als Alleinlieferant (Single-Source) exponiert?
  3. Lebenszyklus-Triage: Befindet sich das Bauteil im Status Active, NRND, EOL/PDN oder Obsolete — und welche Maßnahmen löst der jeweilige Status aus?
  4. Alternativen genehmigen: Liegt eine vorab freigegebene Zweitquelle vor, oder erfordert die vorgeschlagene Alternative eine Freigabe durch die Entwicklungsabteilung?
  5. Freigeben oder anhalten: Ist die Stückliste sauber genug für die RFQ-Ausschreibung, oder muss sie zur Überarbeitung an das Hardware-Designteam zurück?

Alle nachfolgenden Abschnitte liefern die konkreten Werkzeuge zur Beantwortung dieser fünf Fragen.

Warum der MPN-Abgleich scheitert: Ursachen für Formatierungsrauschen

Herstellerteilenummern (MPNs) unterliegen keinem weltweiten einheitlichen Standard. Ein reiner textueller String-Vergleich („Zeichenketten-Gleichheit“) ist für den automatisierten Abgleich nahezu unbrauchbar. Eine Zeile kann formal korrekt aussehen und dennoch in keiner Bauteildatenbank gefunden werden. Die typischen Fehlerquellen:

  • Verpackungs- und Gehäusesuffixe — Die letzten 1 bis 3 Zeichen einer passiven MPN kodieren häufig Gurtungsspezifikationen (Tape & Reel vs. Schüttgut/Cut-Tape), Toleranzen oder RoHS-/Bleifrei-Zertifizierungen. Bei Murata-GRM-Kondensatoren kodieren einstellige Suffix-Felder die Gehäusehöhe, die Kapazitätstoleranz und die Verpackungseinheit; ein einziges abweichendes Zeichen definiert ein völlig anderes Bauteil.
  • Veraltete Herstellernamen nach Fusionen und Übernahmen (M&A) — EDA-Werkzeuge generieren oft noch Bezeichnungen wie „Xilinx“ oder „Altera“, Jahre nachdem diese Unternehmen in AMD oder Intel integriert wurden. Die MPN an sich ist korrekt, aber der veraltete Herstellername bricht die automatisierte Zuordnung in der Datenbank.
  • Distributor-Artikelnummern als MPN eingetragen — Ein DigiKey-Suffix wie -ND oder ein Mouser-Präfix wie 81-… bezeichnet eine lagerinterne Katalognummer, keine Originalherstellerteilenummer. Sie muss vor dem Datenbankabgleich auf die OCM-MPN zurückgeführt werden.
  • Übertragungs- und Formatierungsfehler — Führende Nullen, die von Tabellenkalkulationen automatisch gelöscht werden, Bindestriche, die in Sonderzeichen umgewandelt werden, oder leicht verwechselbare Zeichen (0 vs. O, 1 vs. I, 8 vs. B). Ein simpler Typo passiert mühelos den ERP-Import und schlägt erst im Einkauf oder bei der Bestückung als teurer Ausschuss auf.
  • Toleranz- und Güteklassen — Ein einzelner Kennbuchstabe entscheidet darüber, ob ein Bauteil 1 % oder 5 % Toleranz aufweist. Ein unautorisierter Tausch kann Schaltungsparameter verfälschen und Feldausfälle provozieren.

Die eiserne Praxisregel: MPN plus Hersteller, normiert auf den aktuellen OCM-Namen und mit vollständig dekodiertem Suffix — niemals bloßer Zeichenketten-Vergleich.

Die BOM-Risikomatrix nach Fehlerkategorien

Für jede typische Fehlerkategorie definiert diese Matrix die Kritikalität, die Handlungsanweisung für den Einkauf und die erforderlichen Belege vor PO-Erteilung. Sie dient als Leitfaden bei jedem Stücklisten-Eingang.

BOM-Risikomatrix nach Fehlerkategorien

Einkaufsseitige Triage. Die Kritikalität bestimmt das Vorgehen: CRITICAL-Zeilen stoppen die RFQ sofort; HIGH-Zeilen erfordern Freigaben oder Lebenszyklus-Kompensationen vor der Bestellung; MEDIUM-Zeilen werden bereinigt und erneut abgeglichen.

Fehlerkategorie Schweregrad Einkaufsentscheidung Erforderlicher Nachweis vor PO
MPN lässt sich keinem bestellbaren Bauteil zuordnen CRITICAL RFQ anhalten. Keine Bestellung auslösen. Vollständige MPN + aktueller Hersteller; Datenblatt-Link; OCM-Produktseite
Typografischer Fehler in der MPN (0/O, 1/I, 8/B, defekter Bindestrich) CRITICAL Zeile abweisen; exakte Teilenummer anhand des Herstellerdatenblatts prüfen Auszug oder Kopie des Typenschlüssels aus dem Herstellerdatenblatt
Gehäuse-/Gurtungssuffix weicht ab (D- vs. J-Rolle, 0402 vs. 0603, QFN-32 vs. QFN-40) HIGH Freigabe der Entwicklung erforderlich; Abgleich mit Gerber-Footprint Gehäusezeichnung gegen Gerber-Pad-Layout; Abgleich mit CPL-Koordinaten
DNP / DNI / NC nicht explizit ausgewiesen HIGH Explizite Bestückungsstatus-Spalte ergänzen; Zeile keinesfalls löschen BOM mit Fitted/DNP-Spalte und konsistente CPL-Ausschlussliste
Keine genehmigte Zweitquelle / Single-Source HIGH AVL-Qualifizierung anstoßen oder Single-Source-Risiko formal melden Freigegebene Alternativ-MPN; Lagerbestände bei autorisierten Distributoren
Lebenszyklus NRND (Not Recommended for New Designs) HIGH Kein Neudesign mit diesem Bauteil; sofort Alternativen qualifizieren Hersteller-Lebenszyklusstatus oder offizielle PCN-Mitteilung
Lebenszyklus EOL / PDN (Abkündigung) CRITICAL Last-Time-Buy dimensionieren oder Redesign starten; nicht auf Restbestände hoffen PCN mit verbindlichem LTB- und LTS-Datum; autorisierte Distributionsbestände
Lebenszyklus Obsolete (vollständig abgekündigt) CRITICAL Redesign bevorzugt; Broker-Kauf nur mit lückenloser Rückverfolgbarkeit Chargenrückverfolgbarkeit, CoC-Zertifikat, Prüfbericht, Anti-Counterfeit-Check
Herstellername veraltet (Fusionen: Xilinx→AMD, Altera→Intel) MEDIUM Auf aktuellen OCM-Namen standardisieren und neu abgleichen Distributoren-Verzeichnis oder offizielle Firmenbekanntmachung
Distributor-SKU anstelle von Hersteller-MPN hinterlegt MEDIUM Distributionscode vor dem Abgleich in Original-MPN umwandeln Querverweisliste SKU → MPN des autorisierten Distributors
Abweichung zwischen Stücklistenmenge und RefDes-Anzahl MEDIUM Stückliste oder Bestückungsdatei (CPL) vor Freigabe korrigieren Gegenprüfung: BOM-Menge vs. tatsächliche Anzahl der Referenzbezeichner

Anwendungsregel: Jede BOM-Zeile wird von oben nach unten gegen diese Kategorien geprüft. Die erste CRITICAL-Kollision stoppt die Ausschreibung. Eine Stückliste, die frei von CRITICAL-Einträgen ist und bei der alle HIGH-Risiken entweder gelöst oder einem verantwortlichen Entwicklungsingenieur zugewiesen sind, gilt als angebotsreif. Stücklisten mit offenen Mängeln gehen mit konkreter Benennung der Fehlerkategorien an das Entwicklungsteam zurück — niemals mit einer unspezifischen Bitte um „Prüfung“.

MPN-Struktur: Was die letzten 2–3 Zeichen bedeuten

Bei passiven Bauelementen liegt die Mehrheit aller Abgleichfehler im Suffix der Teilenummer. Ein keramischer Vielschichtkondensator der Murata-GRM-Serie folgt beispielsweise der Nomenklatur: GRM [Abmessung] [Dicke] [Temperaturcharakteristik] [Nennspannung] [Kapazität] [Toleranz] [Spezifikation] [Verpackung]. Zwei Nummern, die sich nur um einen einzigen Buchstaben in der Toleranz- oder Verpackungsspalte unterscheiden, bezeichnen völlig unterschiedliche Bauteile — eines kann ±10 % Toleranz aufweisen, das andere ±20 %, oder eine abweichende Rollengröße erfordern.

Zwei typische Fehlerquellen:

  • Toleranzschlüssel — Bei vielen passiven Bauteilen steht K für ±10 % und M für ±20 %. Ein unbemerkter Wechsel von …KA01D zu …MA01D ohne elektrotechnische Prüfung kann Filterschaltungen außerhalb der zulässigen Parameter treiben.
  • Verpackungskennzeichnung — Das letzte Zeichen unterscheidet häufig gegurtete Ware (Tape & Reel) von Schüttgut oder Kleinmengen (Cut-Tape). Dies beeinflusst zwar nicht die elektrischen Eigenschaften, entscheidet aber darüber, ob der Bestückungsautomat den Bauteilgurt verarbeiten kann.

Bei integrierten Schaltkreisen (ICs) variiert die Systematik je nach Hersteller: Texas Instruments nutzt für Logikfamilien das Präfix SN74 mit nachgestellten Temperatur- und Gehäusecodes; Maxim nutzt Basisnummern mit einem 3- bis 4-stelligen Suffix für Pin-Zahl und Temperaturbereich; Infineon trennt den Verkaufsnamen vom bestellbaren OPN-Code (Orderable Part Number) für RoHS und Gebinde. Das Fazit für den Einkauf: Dekodieren Sie das Suffix vor dem Abgleich, und gehen Sie niemals davon aus, dass zwei um ein Zeichen differierende MPNs identisch sind.

DNP, DNI, NC: Explizit deklarieren oder Fertigungsstillstand riskieren

In Entwicklungsteams existieren zahlreiche Kürzel nebeneinander: DNP (Do Not Populate), DNI (Do Not Install), NC (No Connection / No Component), Fitted, NF (Nicht bestücken), NM oder No Load. Die genaue Abkürzung ist zweitrangig; entscheidend ist die eindeutige maschinenlesbare Kennzeichnung.

Die Grundregel gegen Bestückungsfehler: Belassen Sie DNP-Komponenten mit ihrer vollständigen MPN in der Stückliste und führen Sie eine dedizierte Status-Spalte — löschen Sie niemals die Zeile. Eine fehlende Zeile ist deutlich gefährlicher als eine falsch bestückte Zeile, da der Bestücker (EMS) keine Möglichkeit hat festzustellen, ob das Pad bei dieser Baugruppenvariante absichtlich unbestückt bleiben soll oder versehentlich vergessen wurde. Führen Sie eine feste Spalte Populate (Fitted / DNP) mit korrespondierenden Ausschlussregeln in der Koordinatendatei (CPL), und hinterlegen Sie bei Multivarianten-Boards eine eindeutige Kennzeichnung. Dieser Punkt ist in der Risikomatrix als HIGH eingestuft, da er meist erst auffällt, wenn fehlerhafte Baugruppen bereits ausgeliefert wurden.

Bauteil-Lebenszyklus-Triage: Active, NRND, EOL, Obsolete

Der Lebenszyklusstatus steuert die kostspieligsten Beschaffungsentscheidungen. Die Hierarchie und die jeweils zwingenden Maßnahmen:

  • Active — Regulär in Produktion und vom Hersteller für Neudesigns empfohlen. Standard-Beschaffungsprozess.
  • NRND (Not Recommended for New Designs) — Wird noch produziert, der Hersteller rät jedoch von Neuentwicklungen ab. Es gibt keinen festen Endtermin; NRND-Bauteile können noch über Jahre verfügbar sein. Maßnahme: Sofortiger Design-Freeze für Neuentwicklungen und Start der Qualifizierung von Alternativbauteilen, um bei einer plötzlichen Abkündigung vorbereitet zu sein.
  • EOL / PDN (End of Life / Product Discontinuance Notice) — Der Hersteller hat das offizielle Abkündigungsverfahren eingeleitet und Fristen für Letztbestellung (Last-Time-Buy, LTB) und Letztauslieferung (Last-Time-Ship, LTS) publiziert. Maßnahme: Exakte Bedarfsermittlung für einen Last-Time-Buy oder unmittelbarer Start eines Redesigns. Verlassen Sie sich keinesfalls auf Broker-Bestände — nach Ablauf der LTS-Frist steigen die Fälschungsrisiken exponentiell.
  • Obsolete — Die Produktion ist endgültig eingestellt. Maßnahme: Ein Redesign ist der sicherste Weg. Restkäufe über freie Händler (Broker) stellen die letzte Notlösung dar und erfordern lückenlose Chargenrückverfolgbarkeit, ein Certificate of Conformance (CoC), Prüfprotokolle und Fälschungsprüfungen.

Berechnung des Last-Time-Buy-Bedarfs: Als praxiserprobte Näherungsformel gilt (monatlicher Bedarf × Restlaufzeit in Monaten × 1,15 Sicherheitsfaktor) − aktueller Lagerbestand − offene Bestellungen. Dies liefert einen soliden Richtwert — verifizieren Sie die Fristen stets anhand der offiziellen PCN-Mitteilung des Herstellers und nutzen Sie professionelle Obsoleszenz-Datenbanken anstelle einfacher Händlerwebseiten. Beispielsweise gewährt Texas Instruments nach J-STD-048 / JESD48 in der Regel 12 Monate Vorlauf für die letzte Bestellung und 6 Monate für die Auslieferung; andere Halbleiterhersteller setzen abweichende Fristen.

Die maßgeblichen Industrienormen hierfür sind JEDEC JESD48-D (Produktabkündigungen), IEC 62402 (Obsoleszenzmanagement) sowie IPC-1601. Ziehen Sie diese Normen bei der Festlegung Ihrer betrieblichen Einkaufsrichtlinien heran.

Die angebotsreife Stückliste: Pflichtfelder und Verifikationsbelege

Eine Stückliste, die vom Bestücker (EMS) mit Rückfragen abgewiesen wird, weist fast immer unvollständige Datenfelder auf. Jede Zeile einer professionellen PCBA-Ausschreibung (RFQ) muss diese zwölf Standardfelder enthalten:

Erforderliche Felder einer RFQ-Stückliste

Pro Zeile vollständig einzureichen. Fehlende Angaben sind die Hauptursache für Verzögerungen bei der Kalkulation und Fehlbeschaffungen.

  1. Positionsnummer / Zeilennummer
  2. Referenzbezeichner (Reference Designators, z. B. R1, C12, U3)
  3. Stückzahl pro Baugruppe
  4. Hersteller / Marke (normierter, aktueller OCM-Name)
  5. Herstellerteilenummer (MPN) — vollständig und datenblattgeprüft
  6. Bauteilbeschreibung / Nennwert
  7. Gehäuseform / Footprint (z. B. 0603, SOIC-8, QFN-32)
  8. Bestückungsstatus — Fitted, DNP, DNI, NC oder No Load
  9. Freigegebene Alternativ-MPN(s) mit Herstellerangabe
  10. Beistellstatus (Kunde beigestellt / EMS Beschaffung)
  11. Stücklisten-Revisionsstand sowie zugehörige Gerber-/CPL-Revision
  12. Compliance-Anforderungen — RoHS, REACH, AEC-Q (Automotive), MIL etc.

Für alle als CRITICAL oder HIGH eingestuften Bauteile müssen vor Erteilung der Einkaufsbestellung zudem folgende Nachweise vorliegen:

  • Verifizierter Lebenszyklusstatus aus gesicherter Quelle — OCM-Produktseite, offizielle PCN oder Bauteil-Intelligence-Plattform, nicht bloß ein Webshop-Lagerbestand.
  • Verfügbarkeitsbestätigung autorisierter Distributoren mit Lieferzeit, Mindestbestellmenge (MOQ) und Lagerstandort.
  • Gehäuseabgleich mit dem Gerber-Footprint — insbesondere bei QFN, BGA sowie Umstellungen zwischen 0402 und 0603.
  • AVL-Freigabe — schriftliche Bestätigung der vorab geprüften Alternativen durch die Hardware-Entwicklung.
  • Änderungshistorie (ECN/PCN) der MPN, um Revisionskonflikte zwischen Entwicklung und Einkauf auszuschließen.
  • Risikobericht mit benanntem Verantwortlichen für jeden offenen Prüfpunkt — keine unverbindlichen Absichtserklärungen.

Führen Sie vor der endgültigen Freigabe den Fünf-Punkte-Check durch:

  1. Löst sich jede MPN in ein reales, lieferbares Bauteil des aktuellen Herstellers auf?
  2. Wurden die letzten 2 bis 3 Zeichen jeder MPN auf Gehäuse, Toleranz und Verpackung hin dekodiert?
  3. Sind alle Herstellernamen nach Unternehmensübernahmen auf den aktuellen Stand gebracht?
  4. Existiert für jedes Single-Source- oder Schlüsselbauteil eine vorab genehmigte Zweitquelle?
  5. Ist jeder gekennzeichneten Risikazeile ein namentlicher Bearbeiter mit Fälligkeitsdatum zugewiesen?

Können alle fünf Punkte bejaht werden, ist die Stückliste beschaffungsreif. Andernfalls geht sie mit klaren Fehlerkategorien an das Entwicklungsteam zurück.

Fazit

Die BOM-Fehlerprüfung im Einkauf ist die unverzichtbare Kontrollinstanz vor der Kostenkalkulation und vor der Serienbestückung. Bewerten Sie jede Zeile anhand der Risikomatrix, dekodieren Sie MPN-Suffixe statt auf Zeichenketten-Gleichheit zu vertrauen, deklarieren Sie DNP-Bauteile explizit, bewerten Sie den Lebenszyklus anhand primärer Herstellerquellen und übergeben Sie ein lückenloses RFQ-Datenpaket. Eine Stückliste, die dieses Gatter passiert, kann Ihr Fertigungspartner ohne Rückfragen kalkulieren, beschaffen und fertigen — und mangelhafte Zeilen gehen mit präziser Klassifizierung direkt an die Entwicklung zurück.

Für eine fundierte DFM- und Beschaffungsprüfung Ihrer Stückliste vor Auslösung einer Bestellung wenden Sie sich an das Team von HILPCB PCB Assembly oder fordern Sie direkt ein Angebot an. Unsere Fertigungsingenieure prüfen Ihre BOM anhand der Risikomatrix und sichern Ihre Produktion gegen CRITICAL- und HIGH-Risiken ab.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was unterscheidet die BOM-Fehlerprüfung von einer BOM-Kostenanalyse?

Die BOM-Fehlerprüfung ermittelt, ob sich jede Zeile in ein reales, lieferbares Bauteil auflöst und beschaffungssicher ist — sie findet vor der Angebotserstellung statt. Die BOM-Kostenanalyse summiert die Gesamteinstandskosten dieser Bauteile und der Fertigungsprozesse auf — sie setzt eine bereinigte Stückliste voraus. Die Fehlerprüfung ist die Freigabehürde; die Kostenanalyse ist die nachgelagerte kaufmännische Bewertung.

Warum schlagen MPN-Abgleiche fehl, obwohl die Teilenummer korrekt erscheint?

Herstellerteilenummern sind nicht international genormt. Die letzten 1 bis 3 Zeichen kodieren häufig Gehäusespezifikationen, Toleranzen, Gurtung oder RoHS-Oberflächen — ein abweichender Buchstabe beschreibt somit ein anderes Bauteil. Zudem veralten Herstellernamen durch Übernahmen (Xilinx zu AMD, Altera zu Intel), Händler-SKUs werden irrtümlich als MPNs eingetragen, und Formatierungsautomatismen beschädigen Nullen und Trennstriche. Ein solider Abgleich verlangt die MPN plus den aktuellen Herstellernamen unter vollständiger Auflösung des Suffixes.

Welcher Lebenszyklusstatus muss eine Neubestellung sofort blockieren?

EOL/PDN (Abkündigung) und Obsolete (eingestellt) stellen ein kritisches Risiko (CRITICAL) dar. EOL signalisiert, dass der Hersteller Fristen für Letztbestellung und Auslieferung festgelegt hat — hier muss unverzüglich ein LTB berechnet oder ein Redesign initiiert werden. Obsolete bedeutet, dass das Teil nicht mehr gefertigt wird; Restbestände über Broker bergen erhebliche Fälschungsrisiken. NRND (HIGH) stoppt Neudesigns und erzwingt die zeitnahe Qualifizierung einer Alternative vor der finalen Abkündigung.

Dürfen unbestückte Bauteile (DNP) aus der Stückliste entfernt werden?

Nein, keinesfalls. Jedes unbestückte Bauteil (DNP, DNI, NC) muss als eigene Zeile mit voller MPN und einer dedizierten Bestückungsstatus-Spalte in der BOM erhalten bleiben. Das Löschen dieser Zeilen führt regelmäßig zu Fehlbestückungen, da der Bestücker nicht erkennen kann, welche Pads absichtlich unbestückt bleiben sollen. Nutzen Sie eine definierte Fitted/DNP-Spalte und synchrone Ausschlussregeln in der CPL-Datei.

Welche Angaben benötigt eine PCBA-RFQ-Stückliste zur Vermeidung von Verzögerungen?

Jede Zeile erfordert: Positionsnummer, Referenzbezeichner, Stückzahl pro Board, aktueller Hersteller, vollständige MPN, Bauteilbeschreibung, Gehäuseform/Footprint, Bestückungsstatus (Fitted/DNP), genehmigte Alternativen, Beistellstatus, Revisionsstände von BOM und Gerber sowie Compliance-Vorgaben. Für kritische Zeilen sollten zudem Lebenszyklusnachweise, Verfügbarkeiten autorisierter Distributoren, Gerber-Footprint-Freigaben und AVL-Genehmigungen beigefügt werden.